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AlphaGo-Festival in China

Von | 12. April 2017

Ke Jie 9p tritt gegen AlphaGo an

Google und China, das ist kein einfaches Thema. Google mag China, weil China einen großen Markt darstellt, den Google gerne erobern würde. China mag Google dagegen aber nicht so sehr, weil die Suchmaschine Zugriff auch auf Inhalte ermöglicht, die der chinesischen Staatsräson entgegenstehen – um es vorsichtig auszudrücken. Vor diesem Hintergrund freuen sich die Manager bei Google natürlich, dass sie mit AlphaGo ein Software besitzen, welche die Chinesen elektrisiert wie kaum eine andere. Denn AlphaGo ist die Software, die es im vergangenen Jahr als erste geschafft hat, mit dem Koreaner Lee Sedol 9p einen Top-Profi unter Turnierbedingungen und ohne Vorgabe im Go zu schlagen, dazu noch nahezu vernichtend mit 4:1. In China wurde dieser Wettkampf im ganzen Land mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, die Einschaltquoten der TV- und Online-Übertragungen betrugen mehrere Millionen. AlphaGo ist damals in China eingeschlagen wie eine Bombe!

Der derzeit wohl weltweit stärkste Go-Spieler, der Chinese Ke Jie 9p, hatte vor einem Jahr noch – wohl in jugendlichem Leichtsinn – behauptet, dass ihm das nicht passiert wäre, dass er gegen AlphaGo gewonnen hätte. Mittlerweile hat er online bereits mehrere Schnellpartien gegen AlphaGo verlieren dürfen und ist etwas zurückhaltender geworden. Gerüchte besagen sogar, dass er nach der zweite Verlustpartie gegen AlphaGo mit schweren Magenschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dass eine Software im Go so gut ist, dass sie die stärksten Menschen scheinbar mühelos schlägt, ist für Chinesen wohl nicht leicht zu verdauen …

“Das Spiel von AlphaGo hat das Go und seine Spieler verändert. Die Art und Weise, wie AlphaGo seine Stärke gezeigt hat, überstieg unsere Erwartungen und brachte viele neue Elemente in das Spiel.” – Shi Yue 9p, China

“Ich glaube, alle Go-Spieler sind durch Professor Alpha mehr oder weniger betroffen. AlphaGos Spielweise hat uns befreit und kein Zug auf dem Brett erscheint mehr unmöglich. Jeder versucht jetzt, so zu spielen, wie es bisher noch nicht versucht wurde.” – Zhou Ruiyang 9p, China

Dafür darf Ke Jie jetzt aber endlich selbst richtig in den Ring steigen und sich Ende Mai mit AlphaGo unter Turnierbedingungen messen. Denn Google Deepmind, die für AlphaGo zuständige Firma im Alphabet-Universum des Google-Mutterkonzerns, veranstaltet vom 23. bis 27. Mai in Wuzhen nicht mehr und nicht weniger als eine “Konferenz zur Zukunft des Go”, bei der ausdrücklich die Menschen von der Maschine lernen können sollen. Nicht allein der Wettkampf, sondern das Lernen von der künstlichen Intelligenz soll im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen.

Top-Go-Profi Gu Li 9p, Googles CEO Sundar Pichai, der mehrfache Go-Europameister Fan Hui 2p, Chinas Go-Legende Nie Weiping 9p und der aktuell Welstranglistenerste in Go, Ke Jie 9p (v.l.n.r.)

Deshalb sind an den fünf Tagen dieses Go-Festivals unterschiedliche Spielformate angesetzt worden:

  • “Ke Jie vs. AlphaGo” wird natürlich das Herzstück der Veranstaltung darstellen, ein klassischer 1-gegen-1-Wettkampf über drei Partien zwischen AlphaGo und Ke Jie 9p.
  • “Paar-Go” – ein Wettkampf, bei dem zwei chinesische Profispieler gegeneinander antreten, aber beide ihren eigenen AlphaGo-Teamkollegen haben werden, mit dem sie sich in den Zügen der Partie abwechseln, um das Thema des Lernens in den Mittelpunkt zu stellen.
  • “Team-Go” wird eine Partie sein zwischen AlphaGo und einem Teamaus fünf chinesischen Top-Profi-Spielern, die gemeinsam spielen und sich beraten dürfen, um AlphaGos Kreativität zu testen und zu sehen, ob die kombinierte menschliche Intelligenz eine bessere Chance gegen die künstliche Intelligenz hat.

Parallel wird in Wuzhen auch eine Konferenz zum Thema “Die Zukunft der K.I.” abgehalten, an der die Experten von Google Deepmind und Chinas K.I.-Elite sich zum Stand der Entwicklung, den Möglichkeiten und der Zukunft der Künstlichen Intelligenz austauschen. Gerüchten zufolge sollen chinesische Programmierer bereits selbst eine Software programmiert haben, die es mit AlphaGo durchaus aufnehmen kann. Vielleicht ist dann in naher Zukunft der nächste Schritt des Lernens, dass die Menschen den beiden Maschinen beim Spielen nur noch zuschauen und zu begreifen versuchen, was sie da sehen …

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