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AlphaGo gewinnt gegen Lee Sedol in sensationeller Auftaktpartie

Von | 9. März 2016 2 Kommentare
AlphaGo-Lee-Sedol-Demis-Hassabis-Eric-Schmidt

(v.l.n.r.) DeepMind CEO Demis Hassabis, Lee Sedol 9p und Executive Chairman von Alphabet Inc (ehemals Google) Eric Schmidt.

Die Go-Gemeinde weltweit reagierte schockiert nachdem entgegen aller Erwartungen die Go-Software AlphaGo Weltklassespieler Lee Sedol 9p am Mittwoch besiegt hatte. AlphaGo geht nun also mit einem Sieg in das Best-of-5 Google DeepMind Challenge Match.

Nachdem die künstliche Intelligenz AlphaGo-Lee-Sedol-first-moveim Oktober in einem ähnlichen Wettkampf
den amtierenden europäischen Meister Fan Hui 2p besiegen konnte, kam die Herausforderung von Lee Sedol überraschend. Lee selbst gab im Vorfeld bekannt, dass er vorhabe, alle Partien zu gewinnen. Unsere Leser hier auf dem Blog stimmten ihm in unserer Umfrage mehrheitlich mit knapp 30 Prozent zu.

“Ich war so überrascht. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich verlieren könnte. Ich bin schockiert,” kommentierte Lee im Interview nach
der Partie. “Im Spiel habe ich einen schlechten Anfang hingelegt und AlphaGo spielte die Partie sicher zuende. Selbst als ich in Rückstand kam, dachte ich nicht an eine Niederlage. Ich habe dem Programm kein so ausgezeichnetes Spiel zugetraut.”

Es folgt eine Übersetzung des Spielkommentars von gogameguru.com:

AlphaGo-Lee-Sedol-Lee-Soyong-Kim-Seongryong

Koreanischer Kommentar von Lee Soyong (l.) und Kim Seongryong 9p.

Lee gewann das Nigiri, spielte Schwarz und bereitete mit entgegen gesetzten Komoku auf einer Seite eine gebietsorientierte Partie vor. AlphaGo nahm auf der anderen Seite Einfluss mit zwei Hoshi. Die Partie verlief standardmäßig bis Schwarz mit Zug 7 eine unerwartete Ausdehnung spielte. Lee wollte AlphaGos Eröffnungsstärke augenscheinlich mit einen merkwürdigen Zug auf die Probe stellen. Vielleicht wollte er aber auch eine Eröffnung spielen, die AlphaGo höchstwahrscheinlich noch nie zuvor gesehen hat. Die Stärke des Programms fußt nicht zuletzt auf der Berechnung von Millionen von Brettpositionen während seines Trainingsprogramms.

In jedem Fall führte der Zug aber zu einem schlechten Ergebnis für Schwarz. Die weiße Sequenz in der rechten oberen Ecke (Zug 11 bis 14) sah zunächst schwerfällig aus, doch Schwarz 15 war ebenfalls fragwürdig. AlphaGo gewährte Gebiet auf der rechten Seite, entwickelte somit Stärke im Zentrum und startete einen Gegenangriff mit Weiß 18. Die Eröffnung bis zu diesem Punkt war etwas besser für Weiß.

Der Anleger auf Schwarz 23 war ein Overplay und wurde direkt mit Weiß 24 und 26 korrekt bestraft. Schwarz 27 wollte zu viel und Schwarz 39 führte zu einem schlechten Austausch für Schwarz. Bis Zug 42 verlief das Spiel reibungslos für AlphaGo. Schwarz lebte schließlich mit 43, aber das Ergebnis bis Zug 50 ging zugunsten von Weiß.

Der Schnitt auf Weiß 58 war ein messerscharfer Angriff. Schwarz leistete mit 61 starken Widerstand, doch das weiße Haengma von 62 bis 76 war makellos.

Mit dem laschen Sicherungszug auf Weiß 80 machte AlphaGo aber seinen ersten eindeutigen Fehler und ließ Schwarz aufholen. Weiß hätte stattdessen lieber seine Ecke mit einem Keima verteidigen sollen. Die Sequenz von Weiß 84 bis 88 war ebenfalls fragwürdig und so konnte Schwarz bis Zug 93 das Spiel umdrehen.

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Aja Huang 6d (l.) legte stellvertretend für AlphaGo die Züge gegen Lee Sedol.

AlphaGos Invasion auf 102 war sehr stark, doch Weiß 106 – Schwarz 107 war ein schlechter Austausch für Weiß. Mit dem Tausch bis Schwarz 115 konnte Lee Sedol zufrieden sein. Doch Schwarz stolperte mit dem Zug auf 119. Stattdessen hätte Lee lieber auf Schwarz B5 – Weiß B4 – Schwarz D3 gespielt, um die weiße Ecke zu schmälern.

Der Versuch, mit Schwarz 123 den schwarzen Stein in der Ecke zu verbinden, war ein weiterer fragwürdiger Zug. Lee hätte lieber mit R4 lokal zum Leben kommen sollen. Nach Zug 128 war das Spiel wieder ausgeglichen, doch Schwarz 129 verlor die Partie. Es wäre besser gewesen, auf R3 zu blocken.

Nach Weiß 136 hat sich das Spiel wieder gewandelt und Weiß festigte seine Führung mit 150 und 154. Danach erlaubte AlphaGo Lee keine weiteren Chancen und gewann durch Aufgabe.

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Demis Hassabis, der CEO von DeepMind, war begeistert von AlphaGos Leistung und verglich sie mit der Mondlandung. Die Reaktion in der Welt der Go-Profis ist geteilt:

Lee Changho 9p sagte: “Ich bin so schockiert von AlphaGos Spiel.”

Cho Hanseung 9p bemerkte indessen: “AlphaGo ist viel stärker als zuvor im Match gegen Fan Hui! […] Als Google die Chancen auf 50:50 schätzte, war das wohl doch kein Scherz. Ich kann diese Leistung immer noch nicht glauben, obwohl ich sie mit eigenen Augen gesehen habe.”

Gu Li 9p hingegen betonte Lee Sedols uncharakteristisch schwache Form in der Partie. Er habe nicht einmal mit 60% seiner üblichen Stärke gespielt. Lee spiele außerdem besser mit Weiß und werde sich in der zweiten Partie definitiv steigern. Es wäre noch zu früh, die Maschine zum Sieger zu küren.

AlphaGo hat einen verblüffenden Start hingelegt, aber vier Partien stehen noch an. Die zweite findet bereits am Donnerstag, den 10. März, statt. Am Freitag wird eine Spielpause eingelegt und die restlichen Partien sind über das Wochenende verteilt.

Den genauen Zeitplan findet man hier und eine Übersicht mit allen aktuellen Informationen befindet sich hier (inklusive Videoaufzeichnung mit Live-Kommentar)

Via gogameguru.com

 

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Yoon Young Sun 8p kommentiert die Partie zum 1:0 von AlphaGo gegen Lee Sedol beim Go-Seminar des Hebsacker Verlags.

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2 Kommentare »

  • Deltavive sagt:

    Statt einfach von GoGameGuru zu kopieren und übersetzen hätte man ja mal Notizen von Yoon Young Sun Analyse machen können, naja wäre wohl zu viel verlangt für das ‘BloGOzin’ sehr schade.

    Trotzdem für Leute die kein Englisch beherrschen und trotzdem GoGameGuru lesen möchten natürlich nicht schlecht.

    Wer aber Englisch beherrscht hier noch eine Analyse von https://www.youtube.com/watch?v=6ZugVil2v4w Myungwan Kim die um einiges besser war als der offizielle live-stream, besonders weil Michael Redmond noch fast bis zum Schluss dachte es wäre ‘close’ sogar Demis Hassabis musste bei diesen Worten sein Kopf schütteln.

    Die Analyse widerspricht auch an einigen Stellen mit der von GoGameGuru, was aber natürlich verständlich ist, da GO ja nicht gerade un-komplex ist.

    • Tobias Berben sagt:

      Der Autor des Artikels war aber gar nicht beim Yoon-Kommentar dabei. Und Yoon Young Sun 8p wird am kommenden Sonntag bei der “Profipartie des Monats” auf KGS die Partien zwischen AlphaGo und Lee Sedol kommentieren.

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