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EGC 2015: Fan Hui verteidigt seinen Titel in Liberec

Von | 14. August 2015

Beim Europäischen Go-Kongress im tschechischen Liberec traten in diesem Jahr 24 Spieler an, um unter sich den Europameistertitel 2015 auszuspielen. Alle übrigen 762 (!) Teilnehmerinnen und Teilnehmer kämpften im Hauptturnier über die üblichen 10 Runden, in der Spitze dabei um den Titel des Offenen Europameisters, der fast immer und auch in diesem Jahr nach Asien ging. Den neuen Modus und die Hintergründe zur Änderung des EM-Turniers hatte EGF-Präsident Martin Stiassny ja bereits in einem anderen Artikel ausführlich erläutert.

Bis zum Viertelfinale passierte dann zunächst nichts Spektakuläres. Es gab zwar den ein oder anderen nicht erwarteten Sieg (Mitic besiegte Jabarin, Lin besiegte Taranu , Debarre besiegte Dinerstein), aber letztendlich setzten sich die übliche Verdächtigen durch: allen voran Titelverteidiger Fan Hui, die vier EGF-Profis Pavol Lisy, Ali Jabarin, Mateusz Surma und Ilya Shikshin, “Altprofi” Alexandre Dinerstein (trotz zweier Niederlagen als rantingstärkster 2-Punkter) sowie Artem Kachanowskyi und- vielleicht etwas überraschend – Thomas Debarre. Ausgeschieden waren allerdings bereits so klangvolle Namen wie Catalin Taranu, Christian Pop, Cornel Burzo oder Ondrej Silt. Aus deutscher Sicht anzumerken ist, dass beim größten deutschen Turnier, dem Kidocup im Mai in Hamburg, in der Top-8-Gruppe bereits sechs der acht EM-Finalisten gegeneinder angetreten sind, was den hohen Stellenwert des Hamburger Turniers eindeutig aufzeigt – unter die Top-8 beim Kidocup kommen halt nur die besten Spieler Europas, die dann auch bei der EM groß aufspielen …

Im Viertelfinale überraschte dann erneut Thomas Debarre mit einem Sieg, so dass Frankreich gleich zwei Halbfinalisten stellte und Rußland sowie Israel noch mit einem Spieler vertreten waren. Die beiden Halbfinalpartien sowie das Finale sind hier weiter unten wiedergegeben und werden in der kommenden Ausgabe der DGoZ, der Mitgliederzeitung des Deutschen Go-Bundes, von Yoon Youngsun 8p fachkundig kommentiert abgedruckt. Die Top 3 der EM waren dann auch die Top 3 des Kidocups, nur in anderer Reihenfolge: Im Finale setzte sich Fan Hui durch und trägt damit den EM-Titel zum dritten Mal in Folge, Kidocup-Sieger Ali Jabarin muss sich mit dem Vize-Eurpameistertitel begnügen und Ilya Shikshin siegte im Spiel um Platz 3 gegen Thomas Debarre.

top24

em-playoffs

Im Hauptturnier setzte sich Wang Zheming aus China unangefochten mit 10:0 durch, gefolgt von Kim Young Sam aus Korea und dem mit seinem EM-Ergebnis ins Hauptturnier migrierten Pavol Lisy aus der Slovakei. Bester Deutscher in diesem Feld wurde auf einem guten 8. Platz der amtierende Deutsche Meister Lukas Krämer, dessen Rating zwar nicht für die Top 24 und das EM-Turnier ausgereicht hatte, der aber im Hauptturnier groß aufspielte und nach Runde 4 sogar mit 4:0 und den besten Gegnerpunkten das Gesamtfeld anführte. Und in den Runden 8 und 10 hatte Krämer gegen Kachanowskyi und Lisy durchaus brauchbare Partien, die jeweils gegen Ende leider doch noch verloren gingen. Mit ihm wird wohl in den kommenden Jahren noch zu rechnen sein!

Aus der Abschlusstabelle des EGC-Hauptturniers noch erwähnenswert sind sicher das 7:3 von Mieke Naries (6k aus Hamburg), Benjamin Günther (1k aus Berlin) und des in Deutschland lebenden Dänen Sören Ohlenbusch (3d, Heidelberg). Alle drei sollten sich wohl eine Hochstufung mehr als verdient haben …

Ansonsten war der Kongress – wie immer – wunderbar! Natürlich, der Spielort glich einem Labyrinth, das Viersterne-Hotel servierte jeden Morgen Brötchen vom Vortag, anstatt einmal keine Brötchen bereitzustellen und ab dann immer frische, einige Sideevents starteten mit erheblicher Verspätung und die Preise für gutes Abschneiden hätte man sich sicher auch üppiger gewünscht,  aber … beim Go-Kongress geht es nicht um Perfektion, sondern in erster Linie um Menschen! Um all die liebenswerten Freaks, die bei bestem Sommerwetter lieber in einer mehr oder minder gut belüfteten Halle vor sich hingrübeln, als draußen den Sommer zu genießen – und dafür auch noch hunderte bis tausende Kilometer Anreise auf sich nehmen. Die sich oft seit Jahren und teilweise sogar Jahrzehnten kennen und die sich jedes Jahr wieder treffen, um der gemeinsamen Leidenschaft zu folgen und ein ebenso altes wie tiefgründiges Spiel aus dem alten China zu spielen.

Es ist insbesondere der internationale Flair, die weltoffene Stimmung unter den Teilnehmern aus aller Herren Ländern, die die Stimmung auf dem Go-Kongress jedes Jahr wieder so besonders macht. So berichtete DGoB-Präsident Michael Marz (3d, Jena) in einer Mischung aus Stolz und Freude, dass er es geschafft habe, in zehn Runden Hauptturnier gegen Spieler aus zehn verschiedenen Länder gelost zu werden. Die Prüfung zeigt: Es waren Gegner aus Rumänien, Norwegen, Japan, Luxemburg, Litauen, der Türkei, Island, Frankreich, China und Rußland. Was für eine wunderbare Weltreise am Go-Brett! Und zu allem Überfluss hätte sein neunjähriger Sohn Ferdinand (11k), der ebenfalls bereits am Hauptturnier teilgenommen hat, fast das Gleich geschafft, nur in der letzten Runde machte ihm das Losungsprogramm einen Strich durch die Rechnung: Belgien, Niederlande, Tschechien, Ungarn, Italien, Österreich, Estland, Rußland, Deutschland und … am Ende nochmal Ungarn. Schaut man auf Vater und Sohn gemeinsam, weisen sie zu allem Überfluss auch noch nur eine einzige Überschneidung auf, spielten also in zwei Wochen Go-Kongress gegen Spieler aus insgesamt 18 verschiedenen Ländern. Und genau das ist es, was den Go-Kongress so spannend macht, über das gemeinsame Go-Spielen hinaus, denn es werden von Hunderten von Go-Spielern zwei gemeinsame Wochen verbracht mit Essen, Trinken, Spielen (nicht nur Go!), Sightseeing, Wandern, Tanzen, Singen und vielem mehr. Wer einmal dabei war, ist in der Regel vom Virus infiziert und möchte im folgenden Jahr wieder dabei sein. Ich selbst war in den 30 Jahren, die ich Go spiele, insgesamt 21 mal dabei und trauere den meisten Malen, in denen ich ausgesetzt haben, nach. Es bedarf schon guter Gründe, als Go-Spieler mal nicht zum Kongress zu fahren. Und so werden sich die viele, wenn nicht die Meisten wiedersehen im nächsten Jahr in St. Petersburg (Rußland) oder spätestens in zwei Jahren in der Türkei …


 

Europameisterschaft 2015, Halbfinale 1:

Europameisterschaft 2015, Halbfinale 2:

Europameisterschaft 2015, Finale:

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