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Kidocup 2015 – so stark wie nie!

Von | 1. Juni 2015

Am Pfingstwochenende trafen sich insgesamt 202 Go-Spielerinnen und -Spieler aus über 10 verschiedenen Ländern in Hamburg zum 7. Kidocup. Bei gemischtem Wetter konnte über drei Tage an den Brettern wegen der Züge des Gegners geschwitzt werden, am Sonntag sogar etwas wegen des Wetters, so dass am neuen Spielort im Gymnasium Klosterschule, mitten in Hamburg, am Berliner Tor gelegen, draußen auf dem Schulhof gespielt wurde.

In diesem Jahr waren zwar nicht ganz so viele Teilnehmer gekommen wir in den Jahren zuvor, aber dafür waren die Top 8 und die Spitze des Hauptturniers noch einmal stärker besetzt als schon im vergangenen Jahr.Im Hauptturnier starteten insgesamt 24 Spieler mit einem Rang von 4. Dan oder stärker, darunter allein neun 6-Dan-Spieler. Von den 6. Dans hatte sich mit Cornel Burzo mit einem EGF-Ratin von 2640 gerade noch einer für die Top-8-Gruppe qualifiziert, ansonsten spielten dort nur 7. Dans oder Profispieler. Von den mittlerweile vier EGF-Profis waren mit Pavo Lisy, Ali Jabarin und Ilya Shikshin immerhin drei angereist, Alexandre Dinerstein war als 3. Dan der vierte Profispieler im Bunde und komplettiert wurde das Feld durch die 7-Dan-Spieler Fan Hui, Cristian Pop und Artem Kachanowskyi.

1
Fan Hui 33Bo
7d
2777
2800
2
Shikshin Ilja 16Kz
1p
2752
2761
3
Lisy Pavol DoSt
1p
2725
2723
4
Jabarin Ali TAv
1p
2676
2700
5
Dinerstein Alexandr 16Kz
3p
2707
2694
6
Pop Cristian CSRB
7d
2661
2677
7
Kachanovskyi Artem Rivn
7d
2650
2642
8
Burzo Cornel BaMa
6d
2627
2640

Die erste Runde brachte dann, wie schon im Vorjahr, gleich einige Überraschungen mit den Siegen der jeweils Ratingschwächeren, so dass der Turnierverlauf nicht langweilig zu werden drohte: Ilya Shiksin verlor gegen Artem Kachanowski, Ali Jabarin gewann gegen Alexandre Dinerstein und Cornel Burzo trotzte dem Ratingstärksten Fan Hui eine Jigo ab, das aufgrund des neuen Komi von 7 (statt 6,5) in diesem Jahr erstmals möglich war. Einen klaren Führenden gab es dann sogar nach fünf runden nicht, denn da hatten zwei Spieler 3,5 Siege (Fan, Lisy), zwei Spieler drei Siege (Jabarin, Shikshin) und zwei Spieler 2,5 Siege (Dinerstein, Burzo) und nur Vorjahressieger Cristian Pop und Artem Kachanowskyi waren absolut chancenlos, in den Kampf um die vorderen Plätze einzugreifen. Der Montag musste somit die Entscheidung bringen: Vor der letzten Runde konnten noch drei Spieler das Turnier gewinnen und es sah so aus, dass Fan Hui mit einem Sieg gegen Ilya Shikshin sicherer Sieger gewesen wäre, Ilya Shikshin aber nur bei einem Sieg über Fan Hui und einem gleichzeitigen Verlust von Ali Jabarin gegen Cornel Burzo und umgekehrt Ali Jabarin bei eigenem Sieg und einem Verlust von Fan Hui das Turnier gewonnen hätte. Spannung pur!  Am Ende entschied sich alles zu Gunsten von Ali Jabarin, der damit zum bei seiner zweiten Teilnahme zum ersten Mal den Kidocup gewinnen konnte, knapp vor Iljy Shiksin und Fan Hui auf den Plätzen 2 und 3.

Die Hälfte aller Top-8-Partien wurde auf KGS übertragen und sind hier (LINK FOLGT) zum Nachspielen bereitgestellt. Die Übertragung wurde dankenswerterweise an einem der übertragenen Bretter zeitweise und gegen Ende des Turniers, als es spannender wurde, immer häufiger von Oh Chi Min 8d übernommen, der parallel die Partien live kommentierte. Die Zuschauerzahlen auf KGS kletterten so auf zwischenzeitlich 300 bis 400.

Pl. Name Level Score 1 2 3 4 5 6 7 Points
1 Jabarin, Ali IL 1 Pro 45 5+ 4- 2+ 3- 8+ 7+ 6+ 5
2 Shikshin, Ilya RU 1 Pro 45 8- 7+ 1- 5+ 4+ 6+ 3+ 5
3 Fan Hui FR 7 Dan 44,5 6= 8+ 7+ 1+ 5- 4+ 2- 4,5
4 Lisy, Pavol SK 1 Pro 43,5 7+ 1+ 5= 6+ 2- 3- 8- 3,5
5 Dinerstein, Alexandre RU 3 Pro 43,5 1- 6+ 4= 2- 3+ 8+ 7- 3,5
6 Burzo, Cornel RO 6 Dan 42,5 3= 5- 8+ 4- 7+ 2- 1- 2,5
7 Pop, Cristian RO 7 Dan 42 4- 2- 3- 8+ 6- 1- 5+ 2
8 Kachanovskyi, Artem UA 7 Dan 42 2+ 3- 6- 7- 1- 5- 4+ 2

Das Hauptturnier war, wie bereits erwähnt, in diesem Jahr auch sehr stark besetzt. Renommierte 6-Dan-Spieler wie Pal Balogh, Dusan Mitic und Lukas Podpera, die den Sprung in die Top-8 nicht geschafft hatten, boten den ebenfalls in erfreulich großer Anzahl anwesenden starken Chinesen einen harten Kampf. Erstaunlicherweise setzt sich am Ende keiner der zahlreichen 6-Dans, ob aus Europa oder China, sondern mit dem Chinesen Xu Yin aus Berlin ein 5. Dan ganz souverän mit 6:0 durch, gefolgt vom Ungarn Pal Balogh und dem Serben Duasan Mitic. Der amtierende Deutsche Meister Lukas Kraemer 6d landete mit 3:3 Punkten abgeschlagen auf dem 10 Platz, gefolgt von Benjamin Teuber 6d als bestem Hamburger auf Platz 11.

Pl. Name Club Gr. Score 1 2 3 4 5 6 Pkt SOS SOSOS
1 Xu Yin B 5D 32 12+ 7+ 5+ 3+ 8+ 2+ 6 176 1062
2 Balogh, Pal Debr 6D 30 11+ 4+ 3- 9+ 7+ 1- 4 179 1052
3 Mitic, Dusan NiSt 6D 30 15+ 17+ 2+ 1- 12+ 6- 4 176 1038,5
4 Podpera, Lukas APWS 6D 30 6+ 2- 13+ 7- 9+ 8+ 4 175 1059
5 Le_Calve, Tanguy 44Na 6D 30 9+ 10+ 1- 8- 21+ 7+ 4 175 1048,5
6 Zhang Yi L 5D 30 4- 14+ 7- 13+ 10+ 3+ 4 174 1048
7 Zou Jin L 6D 29 8+ 1- 6+ 4+ 2- 5- 3 181 1056
8 Kravets, Andrii Rivn 6D 29 7- 24+ 11+ 5+ 1- 4- 3 177 1035,5
9 Prokop, Jan SRic 5D 29 5- 18+ 10+ 2- 4- 14+ 3 175 1034,5
10 Kraemer, Lukas BN 6D 29 13+ 5- 9- 16+ 6- 15+ 3 173 1034
11 Teuber, Benjamin HH 6D 29 2- 12+ 8- 21- 26+ 13+ 3 169 1027,5
12 Kruml, Ondrej Brno 5D 28 1- 11- 23+ 14+ 3- 19- 2 174 1015
13 Oh Lluis la P 6D 28 10- 15+ 4- 6- 22+ 11- 2 173 1025
14 Welticke, Jonas BN 5D 28 16+ 6- 24+ 12- 17+ 9- 3 170 1017
15 Ma Xiao DD 5D 28 3- 13- 21- 23+ 16+ 10- 2 169 1019
16 Spiegel, Lothar Go7 5D 28 14- 19+ 17+ 10- 15- 22+ 3 168 1005
17 Lu Ji HH 4D 28 22+ 3- 16- 27+ 14- 21+ 3 166,5 1007,5
18 Oancea, Petru CSRB 4D 28 20+ 9- 35+ 22- 27+ 23+ 4 162,5 974
19 Stauder, Leon LU 4D 28 25+ 16- 22- 28+ 37+ 12+ 4 161,5 970,5
20 Ramlow, Uwe F 3D 27,5 18- 29+ 35+ 40+ 31+ 4 153,5 923,5

Preise gab es beim Kidocup im Hauptturnier – mittlerweile kann man sagen: traditionell – für alle Spielerinnen und Spieler, die positiv abgeschnitten haben, also mindestens ein 4:2 erreichten. Bemerkenswert erscheint hier noch die Tatsache, dass von den 12 Teilnehmern mit 5:1 insgesamt vier Spieler am Go-Seminar von Yoon Young Sun 8p im März dieses Jahres teilgenommen hatten. Wenn das keine Werbung für Unterricht bei der beliebten Hamburger Profi-Spielerin ist! Im kommenden Jahr kann das Seminar bei Yoon Young Sun im März übrigens wieder zur Kidocup-Vorbereitung genutzt werden. Dazu gab es wie in jedem Jahr noch den Damen- und den Jugend-Preis. Bei den Damen siegte Ma Xiao 5d vor Lu Meng 5d, Manja Marz 3d und Janine Böhme 1d, bei den Jugendlichen siegte Lukas Podpera 6d vor Tanguy Le Calve 6d, Jonas Welticke 5d und Christopher Lieberum 3d.

Für Kinder (U12) wurde in diesem Jahr ein 19×19-Turnier sowie ein 9×9-Turnier veranstaltet, beide mit jeweils acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wobei die Spieler beim 19×19-Kinderturnier allesamt auch am Hauptturnier teilnahmen. Beim 19×19-Turnier (mit Vorgabe) siegte Manuel Jacobsen 4k vor Gregor Semmler 8k, Arved Pittner 2d und Ferdinand Marz 11k.

Dem aufmerksamen Leser und Kenner des Kidocups wird aufgefallen sein, dass dieses Jahr im Hauptturnier “nur” 6 statt der in den letzten Jahren üblichen 7 Runden gespielt worden sind. Die Rundenzahl war in diesem Jahr wieder redzuiert worden, um im ohnehin recht engen Zeitplan Platz zu schaffen für eine weitere Attraktion, nämlich ein begleitendes Rengo-Turnier. Nach Wetterquerelen und leichten Ermüdungserscheinungen hatten wir uns mit dem Sponsor Omikron verständigt, dieses Jahr auf dem Kidocup keine durch ihn gesponsorte Grillfete zu veranstalten, sondern dafür alternativ erstmals das Omikron Rengo-Turnier über vier Runden (mit um einen Stein reduzierter Vorgabe) am Sonntag ab 16:30 zu veranstalten und dafür die Grillfete und eine Hauptturnierrunde zu opfern. Und man kann wohl sagen: Dieses Opfer hat sich gelohnt, denn insgesamt 40 Paare, also 80 Spielerinnen und Spieler nahmen an dieser Veranstaltung teil.

Wir hatten absichtlich ein Rengo-Turnier ausgeschrieben, um die Anzahl der Teilnehmer nicht von der Anzahl der anwesenden Frauen abhängig zu machen, wollten aber auch Paar-Go, also geschlechtlich gemischte Paare fördern, was wir dadurch erreicht haben, dass wir bei diesem Turnier die ersten drei Plätze sowie die drei erfolgreichsten Paare prämierten – und zwar kumulativ, so dass nur geschlechtlich gemischte Paare so richtig abräumen konnten, ging es doch um Preise im Gesamtwert von immerhin 900 Euro. Im Ergebnis sind dadurch 23 gemischte Paare angetreten, drei davon mit einer koreanischen Profispielerin am Brett, und die ersten drei Plätze wurden von gemischten Paaren belegt (gemischte Paare sind mit einem Stern gekennzeichnet):

Pl. Name Gr. Score 1 2 3 4 5 Pkt SOS SOSOS
1 Kim Yoon Young/Ondrej Kruml* 7D 5 17+ 4+ 13+ 3+ 2+ 5 16 68
2 Angela Kehren/Timo Kreuzer* 5K 4 34+ 15+ 8+ 5+ 1- 4 16 57
3 Kang Seung Hee/Marlon Welter* 6D 3,5 19+ 6+ 14+ 1- 3 13,5 50
4 Zhang Yi/Xu Yin 6D 3,5 7+ 1- 17+ 19+ 3 13,5 48,5
5 Ho Jung Ha/Andre Schneider* 5K 3,5 28+ 16+ 20+ 2- 3 10,5 49
6 Lena Gauthier/Kevin Sanow* 3D 3,5 31+ 3- 15+ 20+ 3 10 46
(7) Lu Ji/Zhao Honglin 3D 3,5 4- 22+ 30+ 14+ 3 10 46
8 Tobias Schult/Mehdi Sajjadi 10K 3,5 40+ 32+ 2- 18+ 3 9,5 42
9 Florian Muche/J. & St. Muche 10K 3,5 29+ 14- 36+ 16+ 3 8,5 42,5
10 Martin Lamprecht/Felix Ober 7K 3,5 13- 28+ 33+ 21+ 3 8 43,5

Insgesamt wurden somit im Top-8-Turnier, dem Hauptturnier und dem Rengo-Turnier Preise im Wert von gut über 10.000 Euro an die Spielerinnen und Spieler ausgeschüttet. Aber der Kidocup hat neben seinen Turnieren und den attraktiven Preisen bekanntlich noch mehr zu bieten.

  1. Profis: Die anwesenden Profispieler standenfürSimultanpartien,Partiekommentare und für 1:1-Blitz sowie gemischte Profi-Amateur-Rengopartien bereit. Anwesend waren über diedreiTurniertage:
    • Song Tae Kon 9p, der Fujitsu-Cup-Sieger von 2003
    • Yoon Young Sun 8p, die allen deutschen Go-Spielern als erfolgreiche Autorin und Lehrerin bekannt sein dürfte
    • Kim Yoon Young 4p, Frauen-Kisei-Titelträgerin von 2010
    • Ha Ho Joeng 3p, die nicht zuletzt wegen ihrer vielen Besuche bei Europäischen Go-Kongressen den meisten Anwesenden bekannt gewesen sein dürfte
    • Kang Seung Hee 2p, die über mehrere Jahre zusammen mit Yoon Young Sun als Go-Lehrerin in Europa tätig war
  2. Go-Party: Den sozialen Höhepunkt des Wochenendes bildete auch in diesem Jahr wieder die große Go-Party am Samstagabend mit Freigetränken und einer Simultanveranstaltung sowie einer live kommentierten Freundschaftspartie zwischen Dusan Mitic 6d und unserem Hauptsponsor Park Jang Hee 5d.
  3. Pokerturnier: Immerhin ca. 10% der Go-Turnierteilnehmer fanden sich während der Go-Party zu einem kleinen Pokerturnier zusammen. Nach fünf Stunden Spiel setzte sich hier Peter Kassigkeit aus Hannover durch, der so angenehmen Trost für sein bescheidenes Abschneiden im Hauptturnier fand.

So gingen am Montag gegen 18 Uhr drei randvoll mit Go, oder besser: Baduk, gefüllte Tage zu ende. Die meisten Teilnehmer hatten noch eine längere Reise vor sich, die Organisatoren mussten noch auf- und wegräumen und abends fielen sicher alle müde ins Bett. Für das kommende Jahr hat Park Jung Hee 5d schon das Sponsoring durch seine Firma zugesagt, so dass der Kidocup auch 2016 wieder zu Pfingsten stattfinden wird!

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